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Was muss ein Architekt bei einer Abdichtungsplanung beachten?

04. November 2014
Das OLG Schleswig hatte in seinem Urteil v. 11.09.2012 die Frage zu beantworten, was ein Architekt in einer Abdichtungsplanung eines Hauses zu beachten hat. Das Urteil ist seit dem 09.07.2014 rechtskräftig.

Ein Bauherr beauftragte einen Architekten mit den Planungsleistungen für einen Neubau eines Einfamilienhauses mit Keller. Bei  diesen war zu beachten, dass das Bauvorhaben in schwierigen Boden- und Wasserverhältnissen errichtet werden sollte. Der Architekt orientierte sich bei seinen Planungen nach dem damaligen Grundwasserstand. Aufgrund dessen wurde eine Drainagepumpe mit Warnfunktion in dem Objekt eingebaut. In Folge eines Starkregens kam es zu einem Wassereinbruch in den Keller des Hauses. Die Drainagepumpe hatte der Bauherr im Vorfeld ausgeschaltet. Der Bauherr macht nun einen Schadensersatzanspruch wegen eines Planungsfehlers gegen den Architekten geltend.

Mit Erfolg. Das OLG spricht dem Bauherrn einen Schadensersatzanspruch zu. Begründet wird dies damit, dass der Architekt seiner Pflicht zur Planung einer einwandfreien und dauerhaften Abdichtung des Kellers nicht nachkam.

Gerade bei schwierigen Wasser- und Bodenverhältnissen müsse die Dichtung jedes Risiko eines Wassereinbruchs ausschließen.

Ein Architekt muss sich im Rahmen seiner Planungen nach den Wasserständen der letzten 20 bis 30 Jahre informieren und die Abdichtung nach dem so ermittelten, höchsten Wasserstand und einem angemessen Sicherheitsaufschlag planen. Die Beachtung des aktuellen Wasserstandes ist dabei nicht ausreichend. Da dies im vorliegenden Fall nicht erfolgte, liegt ein Planungsfehler des Architekten vor.

Auch das Ausschalten der Drainagepumpe durch den Bauherrn ändert mangels Kausalität nichts an dem Vorliegen eines Schadensersatzanspruches, denn selbst im Falle eines Warnsignals der Pumpe wäre es zu einem Wassereinbruch gekommen.

Fazit:

Das OLG folgt in seiner Entscheidung den Anforderungen des BGHs und anderer Oberlandesgerichte an Abdichtungsplanungen eines Architekten. Wobei zu beachten ist, dass andere Oberlandesgerichte sogar davon ausgehen, dass die Wasserstände der letzten 40 Jahre bei der Ermittlung des Höchststandes zu begutachten sind.

Einem Architekten ist daher zur Vermeidung eines Planungsfehlers anzuraten, dass er gerade bei dieser Begutachtung eine besondere Sorgfalt an den Tag legt.

Rechtsanwalt Julian Linz
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